Sonderwirtschaftszonen in China

Das erfolgreiche Konzept der Sonderwirtschaftszonen gibt es heute, neben China, auch in zahlreichen anderen Ländern. Die Idee der Sonderwirtschaftszonen ist es, zeitlich begrenzt einem bestimmten Gebiet in einem Land (zum Beispiel einer Stadt oder einer definierten Region) einen wirtschaftlichen Sonderstatus einzuräumen. In einer Sonderwirtschaftszone kann es zum Beispiel eine Steuerbefreiung für Investitionen geben oder einen erheblich geringeren Verwaltungsaufwand für Unternehmen.

Das Ziel ist es, durch gezielte Vergabe von wirtschaftlichen Vorteilen, Investitionen in den Sonderwirtschaftszonen zu erhöhen. In China wollte man durch die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen vor allem ausländisches Kapital zur Investition in China annimieren. Die europäischen Invasionen im 19. Jahrhundert, der chineische Bürgerkrieg, und die Terrorherrschaft Mao Ze Dongs im 20. Jahrhundert hatten China nicht nur gesellschaftlich sondern auch wirtschaftlich völlig ruiniert.

Hintergründe der Sonderwirtschaftszonen in China

Nach dem Ende der Herrschaft Mao Ze Dongs, führte die chinesische Regierung unter Deng Xiao Ping daher zahlreiche Wirtschaftsreformen durch, um China zunächst wirtschaftlich aus dem hinterlassenen Chaos herauszuführen. Ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftreformen gegen Ende der 1970er und Anfang der 1980 Jahre, war die Erichtung von Sonderwirtschaftszonen.

Die ersten fünf Sonderwirtschaftzonen in China wurden in den Provinzen Guangdong, Fujian und Hainan eingerichtet. Während in Fujian die Stadt Xiamen zur Sonderwirtschaftszone erklärt wurde, wurde die gesamte Inselprovinz Hainen zur Sonderwirtschaftzone erklärt. In Guangdong wurden Sonderwirtschaftszonen in den Städten Shenzhen, Zhuhai und Shantou eingerichtet.

Entstehung der Sonderwirtschaftszonen

Besonders die Sonderwirtschaftszone von Shenzhen, die im August 1980 als erste der Sonderwirtschaftszonen offiziell entstand, ist über China hinaus bekannt geworden. Sie grenzt direkt an die heutige Sonderverwaltungsregion Hongkong, das damals noch unter britischer Hoheit stand.

Die neue chinesische Wirtschaftpolitik folgt keinem "Masterplan", sondern kann aufgrund von Beobachtungen kurzfristig angepasst und geändert werden. Nach den Erfolgen der ersten Sonderwirtschaftszonen wurde schnell beschlossen, weitere Städte zu Sonderwirtschaftszonen auszubauen. Im Jahre 1984 bekamen weitere 14 Hafenstädte einen Sonderstatus, der dem der Sonderwirtschaftszonen ähnlich ist. Die so genannten Wirtschaftlichen und Technischen Entwicklungszonen sind Dalian, Qinhuangdao, Tianjin, Yantai, Qingdao, Lianyungang, Nantong, Shanghai, Ningbo, Wenzhou, Fuzhou, Guangzhou, Zhanjiang und Beihai.

Sonderwirtschaftszonen sind ein Erfolgsmodell

Die Sonderwirtschaftszonen in China entwickelten sich schnell zu einem Erfolgsmodell. Selbst große Konzerne wie Volkswagen zog es schon bald ins Reich der Mitte. Durch die räumliche Begrenzung der Sonderwirtschaftszonen wuchs jedoch auch das wirtschaftliche Gefälle zwischen den reicher werdenden Bürgern der Sonderwirtschaftszonen und denen, die außerhalb der Sonderwirtschaftszonen leben mussten.

Diese wirtschaftlichen Unterschiede führen heute zu großem Migrationsdruck. Wanderarbeiter suchen ihr Glück in den Sonderwirtschaftszonen und erhöhen die inoffiziellen Einwohnerzahlen der Sonderwirtschaftszonen ständig.

Allerdings ist ebenfalls zu beobachten, dass die Sonderwirtschaftszonen selbst aus ihrem regionalen Korsett ausbrechen. So entstehen zunehmend Industrien auch außerhalb der eigentlichen Sonderwirtschaftszonen, die vom gestiegenen Wohlstand in den Sonderwirtschaftszonen profitieren.

Heute wird das Konzept der Sonderwirtschaftszonen von vielen anderen Länders kopiert. So haben unter anderem Indien, aber auch Polen, inzwischen Sonderwirtschaftszonen eingerichtet, um regionale Schwerpunkt in der Wirtschaftsförderung zu setzen. Dieses Konzept findet jedoch im Westen noch immer zu wenig Beachtung. Wohl auch, wegen der — möglicherweise als "ungerecht" empfundenen — vorübergehenden aber starken wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen den geförderten und nicht geförderten Regionen.