Wegen der Einkindpolitik dürfen alle Chinesen nur ein Kind haben

Die Einkindpolitik in China ist wohl eine der am meisten diskutieren — und im Westen auch kritisierten — Maßnahmen gewesen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung in China zu erreichen. Bereits in den 70er Jahren beschloss die Regierung von China, dass ein großer Teil der Chinesen nur noch ein einziges Kind haben dürften.

Das Ziel dieser Politik war es, das rasante Bevölkerungswachstum unter Kontrolle zu bringen, das jeden wirtschaftlichen Aufschwung aufzufressen drohte — so wie es auch heute weiterhin in der Realität in Indien und vielen Ländern Afrikas zu beobachten ist.

Die Einkindpolitik im Westen

Jedoch wurden bereits damals eine Reihe von Ausnahmen beschlossen. Die Aussage, dass alle Chinesen nur ein Kind haben dürften, ist daher falsch.

Im Westen werden jedoch oft und gerne Halbwahrheiten über die chinesische Einkindpolitik verbreitet, weil diese Politik in wichtige Grundrechte der Menschen eingreift, und es mit populistischer und simplizistischer Kritik an dieser Politik sehr einfach ist, in westlichen Ländern Sympatien bei der eigenen Bevölkerung zu gewinnen. Jedes detailierte Betrachten der Einkindpolitik wäre da nur störend.

Ausnahmen der Einkindpolitik

Das Verbot mehr als ein Kind zu haben, das die chinesische Einkindpolitik verhängt, umfasst eben nicht alle Chinesen, sondern nur einen bestimmten Teil der Bevölkerung. Nämlich all jene Chinesen, die laut Eintrag in ihrem Familienbuch Städter sind und die der Han-Mehrheit angehören. Für alle anderen Chinesen gelten nur eingeschränkte Verbote oder Bestimmungen der Einkindpolitik.

Die 56 Nationalen Minderheiten, die in China leben, sind von der chinesischen Einkindpolitik sehr viel weniger betroffen. Der volle Umfang der Einkindpolitik gilt ausschließlich für Angehörige der chinesischen Han-Nationalität. Die Han-Nationalität stellt mit über 90% die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung.

Das Familienbuch und die Einkindpolitik

Wenn ein Chinese geboren wird, dann bekommt er oder sie einen Eintrag in das Familienbuch der eigenen Familie. Das Familienbuch in China ist vergleichbar mit der Geburtsurkunde in Deutschland. Nur dass das Familienbuch eben ein Buch ist, das für die gesamte Familie gilt, und nicht nur für ein Individuum. In jedem chinesischen Familienbuch steht unter anderem, ob es sich bei der Familie um Städter oder um Bauern handelt.

Die meisten Chinesen möchten gern Städter sein, da diese bei ihren Mitmenschen mehr Ansehen genießen als chinesische Bauern. Die Einkindpolitik in China gilt jedoch im vollen Umfang nur für Städter. Für Chinesen, die laut ihrem Familienbuch Bauern sind, gelten bestimmte Ausnahmen der Einkindpolitik. Diese Ausnahmen gelten auch dann, wenn ein Bauer der Han-Mehrheit angehört.

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