Sonderverwaltungsregionen in China

Anders als Europa existierte in China nie die Idee eines Nationalstaates. Das chinesische Selbstverständniss ist das eines gemeinsamen Kulturraums, der den Großteil Ostasiens umfasst, sowie Teile von Südostasien. Erst mit der Ankunft der Europäischen und Amerikanischen Kaufleute und später Soldaten, begann sich in Ostasien die Idee der Nationalstaaten zu formen.

Geschichte der Sonderverwaltungsregionen Chinas

Die ersten Europäischen Handelsfirmen, britische und portugiesische Händler, erhielten Konzessionen, um an der Südküste Chinas jeweils kleine Handelsniederlassungen zu gründen. Diese beiden Stützpunkte entwickelten sich über die folgenden Jahrhunderte zu den Großstädten Hong Kong und Macao, und blieben unter britischer bzw. portugiesischer Kontrolle.

Nach dem China den Opiumkrieg gegen Großbritanien und seine alliierten verloren hatte, musste es im Jahre 1898 weitere Gebiete nördlich von Hong Kong an die britische Krone abtreten. Diese New Territories genannte Region wurde für einen Zeitraum von 99 Jahren an die britische Regierung in Hong Kong abgetreten. Und im Jahre 1997 lief dieser alte Pachtvertrag aus.

Da Kolonialismus inzwischen aus der Mode geraten ist, nutzten Großbritanien und China diese Gelegenheit, um nicht nur die New Territories, sondern gleich ganz Hong Kong an China zurück zu geben. Und Portugal begann ebenfalls Verhandlungen über die Rückgabe seiner alten Handelskolonie Macao an China.

Die Sonderverwaltungsregionen Hong Kong und Macao entstehen

In Hong Kong war man nach über hundert Jahren Meinungsfreiheit und wirtschaftlicher Freiheiten gar nicht glücklich über die Gefahr, unter die autoritäre Konrolle der kommunistischen Regierung der Volksrepublik China zu geraten. Viele kleine und große Unternehmen in Hong Kong begannen, Strategien auszuarbeiten um Hong Kong notfalls schnell verlassen zu können.

Um dem entgegenzuwirken, setze Deng Xiaoping -- der durch seine pragmatische Politik der kulturellen Öffnung und schrittweisen Wirtschaftsentwicklung, bereits hunderte Millionen aus Armut und Hunger befreit hatte -- eine ungewöhnliche Idee durch, dass er "Ein Land, zwei Systeme" nannte.

Beide ehemaligen Kolonien, Hong Kong und Macao, sollten nach der Rückgabe ihre bisherigen politischen und wirtschaftlichen Systeme beibehalten, und die Regierung der Volksrepublik China würde sich für die mindestens 50 Jahre nicht in die Innenpolitik dieser beiden Gebiete einmischen, obwohl sie völkerrechtlich Teile der Volksrepublik China wären.

Philosophie der Sonderverwaltungsregionen

Seit der Rückgabe an China werden Hong Kong und Macao daher als Sonderverwaltungsregionen bezeichnet, abgekürzt als S.A.R. für den englischen Namen "Special Administrative Region". Manchmal wird die Bezeichnubg der beiden Regionen auch als "Sonderverwaltungsgebiete" ins Deutsche übersetzt.

Es gibt als nicht nur mehrere unabhängige Regierungen auf dem Gebiet der Volksrepublik China, sondern unterschiedliche politische Systeme und wirtschaftliche Philosophien. Dies ist möglich, weil sich China traditionell nicht als Nationalstaat im europäischen Sinne sieht, sondern als kulturelle Region.

Auch die Chinesen auf Taiwan, obwohl völlig unabhängig von der Volksrepublik, sehen sich als Chinesen, ebenso wie die zahlreichen chinesischen Minderheiten in Südostasien, unabhängig von den Regierungssystem oder der wirtschaftlichen Entwicklung. Um diese Kulturphilosophie mit dem internationalen System der Nationalstaaten kompatibel zu machen, erfand man in China daher für Hong Kong und Macao das Konzept der Sonderverwaltungsregionen.

Zurück zur Übersicht: China Regional