Chinesische (Un)Kultur

Daß China eine sehr lange Geschichte hat ist auch vielen Menschen im Westen in groben Zügen bekannt. Erste schriftliche Zeugnisse — die Orakelknochen von Anyang, die während der Shang-Dynastie entstanden — reichen bis in eine Zeit vor fast 4000 Jahren zurück. Und bereits seit Jahrtausenden ist China immer die führende Macht in Ostasien gewesen — wenn auch mit gelegentlichen Unterbrechungen. Den Chinesen ist die beeindruckende Geschichte ihres Landes sehr bewusst.

China in der Krise

Jedoch hat China heute eine sehr schwere Zeit hinter sich. Seit etwa 200 Jahren befindet sich China in einer inneren Krise, wie es sie selten in der Geschichte des Landes gegeben hat.

Zunächst gedemütigt von militärischen Niederlagen gegen die angreifenden Engländer und andere europäische Nationen, wurde dem Land dann vor etwa 100 Jahren eine westliche Regierungsform aufgezwungen, die schon nach wenigen Jahren zu einem blutigen Bürgerkrieg führte. Angriffe und Völkermorde der Japaner während des Zweiten Weltkriegs verschlimmerten die Lage noch weiter.

Bild aus dem China der 1950er JahreErst die Kommunisten brachten gegen Ende der 1940er Jahre wieder ein wenig Ruhe in das aufgewühlte Land. Aber nur, um gleich darauf mit fragwürdigen ideologisch begründeten Experimenten Millionen von Chinesen in den Hungertod und hunderttausende in Arbeits- und Umerziehungslager zu treiben.

Überleben in China während dieser Zeit bedeutete, sich anzupassen und sich möglichst "proletarisch" zu verhalten, um nicht als vermeintlicher Arbeiterfeind, und damit "Revolutionsfeind", aufzufallen.

China entdeckt sich wieder

Erst seit den 1980er Jahren, unter Deng Xiao Ping und seinen Nachfolgern, ist wieder so etwas wie eine Perspektive für die Zukunft nach China zurückgekehrt, und der Einfluss der Ideologien im täglichen Leben geht seit dem zurück. Jedoch hat jene schlimme Zeit im Verhalten vieler Chinesen bis heute deutliche Spuren hinterlassen.

Rücksichtslos lautes Reden, auf den Boden spucken und aggressives Vordrängeln ohne Rücksicht auf andere sind nur einige der aus den vergangenen 50 Jahren "geerbten" Verhaltensweisen.

Ein Blick auf die zurückliegenden 20 Jahre zeigt aber, dass sich China auch in diesem Bereich zum Guten entwickelt. Wie schwierig und zeitaufwändig es jedoch ist, dass ein Volk von 1.3 Milliarden Menschen einen solchen kulturellen Wandel vollzieht, kann man nur erahnen.

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