Als Ausländer in China

Bild der Nanjing Road in ShanghaiIn ganz China haben heute nur rund 7.000 Deutsche ihren längerfristigen Wohnsitz (Stand: Mai 2005). Und auch sonst sind westliche Ausländer in weiten Teilen Chinas eher selten anzutreffen.

Das ändert sich zwar in einigen größeren Städten des Landes langsam, aber selbst in der "Boomtown" Shanghai, in der so viele westliche Firmen vertreten sind, leben nur etwa 200.000 Menschen aus dem Westen. Bei einer Gesamtbevölkerung Shanghais von rund 14 Millionen Einwohnern ist das ein Ausländeranteil von deutlich unter 2 Prozent. Unter diesen 200.000 Westlern sind auch rund 40.000 Deutsche, die überwiegend für kurze Zeiträume in Shanghai wohnen und arbeiten.

Das "Anstarren"

In China ist ein westlicher Ausländer daher auch heute noch etwas "besonderes" und wesentlich seltener anzutreffen als zum Beispiel Menschen mit asiatischen Wurzeln in Europa. Und Chinesen haben oft keine Scheu davor, sich diese Besonderheit anzusehen — und den Fremden ausgiebig anzustarren.

Auf diese etwas eigenwillige Verhaltensweise einiger (weniger) Chinesen sollte man möglichst nicht genervt oder gar oberlehrerhaft reagieren. Wozu auch? Es würde ja ohnehin nichts ändern. Ein freundliches Zurücklächeln oder eine nette Begrüßung ("Ni Hao") bricht schon eher das Eis und läßt den "Fremden mit der langen Nase" etwas weniger fremd erscheinen.

Schlitzaugen und Langnasen

Apropos "lange Nase": Das Equivalent zum eher abwertenden westlichen Wort "Schlitzauge" in China ist das Wort "Langnase" — denn im Vergleich zur chinesischen ist die westliche Nase in der Tat recht lang. Dieses Wort wird aber, ähnlich wie im Westen das Wort "Schlitzauge", in abwertender Form gebraucht.

Aber auch sonst fallen einem Chinesen eine Menge eigenartiger Dinge am Westler auf: Beim Essen beispielsweise steckt der die Esstäbchen in den Reis hinein, damit sie stehen bleiben (tut man nicht); er schneuzt sich die Nase in einem Restaurant (tut man nicht); und auch sonst verhält sich der Westler eigenartig. Individualismus scheint er gar als etwas positives anzusehen (ist es in China nicht).

Sich anpassen an China

Die Menschen in China sind von der eigenen Kultur und Tradition in etwa ebenso sehr überzeugt, wie wir Europäer es von unserer sind. Die europäischen Nationen haben über viele Jahrhunderte immer wieder versucht — oft auch mit militärischer Gewalt — die übrige Welt mit der eigenen Lebensweise zu "beglücken". Und auch heute noch glauben viele Westler, dass ein Mensch nur glücklich sein könne, wenn er unter einer "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" lebt und arbeitet.

Es wird wohl jedem Westler schwerfallen, sich von dieser Vorstellung zu verabschieden, da sie ja an den Grundfesten der eigenen Überzeugung und Weltsicht rüttelt. Nur sollte man diese Überzeugung bei einem Aufenthalt in China möglichst nicht allzu aufdringlich zeigen — denn den Chinesen wird eine solche Sichtweise eher merkwürdig bis befremdlich vorkommen. Und über chinesische Politik redet man ohenhin nur mit den eigenen Leuten, und nicht mit einem Fremden aus dem Westen.

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Quelle des Bildes: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Shanghai_-_Nanjing_Road.jpeg