Grundlagen für den Auslandsaufenthalt

Die Menschen dieser Welt sind sich ähnlicher, als man vielleicht annimmt. Und auch viele der Erfahrungen, die man in einem Kulturkreis macht, gelten in ganz ähnlicher Weise auch für andere Regionen und Kulturen der Welt. So sind die Unterschiede, obwohl sie auf den ersten Blick so grundsätzlich erscheinen, letztlich mit einigen einfachen Mustern nachzuvollziehen.

Traditionelle und moderne Kulturen

Ein Ansatz der Klassifizierung ist die Unterscheidung in nur zwei Gruppen: die sogenannten "traditionellen" und die "modernen" Kulturen. Die Namensgebung ist unter Umständen etwas unglücklich gewählt, da sie wertend klingt. Der dahinter stehende Ansatz ist aber durchaus zutreffend — obwohl er stark vereinfacht.

Menschen aus so genannten traditionelle Kulturen haben danach — zum Beispiel — ein anderes Verständnis von Zeit als Menschen aus so genannten modernen Kulturen. Während wir in Nordeuropa eher in Zeitpunkten denken und handeln, ist das Zeitverständnis in anderen Kulturkreisen eher in Zeiträumen organisiert.

Eine Verabredung "nachmittags um drei" bedeutet daher jeweils etwas unterschiedliches. Während ein Nordeuropäer damit Punkt drei Uhr — mit vielleicht 2 oder 3 Minuten Abweichung — meint, bedeutet dies für Menschen aus so genannten traditionellen Kulturen eher gegen Nachmittag — also irgendwann nach drei Uhr, wobei auch halb vier oder vier durchaus noch im annehmbaren Rahmen liegt.

Vertrauen und Kooperation

In Deutschland lernt man früh die Zusammenarbeit in Gruppen und die selbstständige Organisation solcher Gruppen oder Teams. Das kann im Fußballverein sein oder bei der Vorbereitung einer Schulfeier. Spontane Entstehung von Gruppen, die gemeinsam für ein bestimmtes Ziel arbeiten ist in Nordeuropa allgegenwärtig.

Was vielen von uns selbstverständlich erscheint, ist in vielen anderen Ländern gar nicht üblich. Vereine oder andere Interessengruppen, die nicht von staatlicher Seite organisiert sind, gibt es in vielen Ländern kaum oder gar nicht. Und der Grund liegt nicht darin, dass der Staat solche Vereine verbietet!

Die Fähigkeit der Zusammenarbeit entsteht immer dann, wenn das Grundvertrauen zwischen Mitgliedern einer Gruppe oder eines Landes relativ hoch ist. Dieses Grundvertrauen nennt man in der Wissenschaft Soziales Kapital, wobei verschiedene Länder unterschiedlich viel Soziales Kapital besitzen. Je höher das Soziale Kapital ist, desto einfacher ist die kooperative Arbeit möglich.

Die Menge an Sozialem Kapital innerhalb einer Gruppe kann man anhand verschiedener Faktoren empirisch feststellen. Es geht also nicht darum, ob Sie Ihrem Nachbarn vertrauen oder nicht, sondern um einen verallgemeinerten Durchschnittswert innerhalb einer Gruppe oder eines Landes.

Das bedeutet für den Auslandsaufenthalt jedoch, dass man unter Umständen in einem Land leben wird, in dem das Soziale Kapital deutlich geringer ist, als man es von Deutschland gewohnt ist. Teamarbeit wird dadurch auch am Arbeitsplatz oder in der Universität oft deutlich schwieriger oder langwieriger. Die so genannten Overhead-Kosten der Zusammenarbeit sind also höher.

Wenn der Arbeitsablauf im Team also weniger flüssig läuft wie es in Deutschland der Fall ist, dann liegt das oft an den Unterschieden im Sozialen Kapital.